Radiogeschichte Österreichs
 

über die sendetechnische Entwicklung des Rundfunks in Österreich.




Der "Zwischensender" Salzburg

Der Sender am Nordende des Mönchsbergs neben der Aussichtswarte; im Hintergrund in Bildmitte die Festung.
Bildquelle [7]
Schon 1927 wollte man in Salzburg einen Sender errichten. Die ungünstige topographische Situation der Stadt mit 2 Bergen und ungünstige Bodenverhältnisse machten jedoch einige Probeaufstellungen und Versuchssendungen notwendig und verzögerte die Festlegung eines definitiven Standorts, der schließlich am Mönchsberg gefunden wurde, da von diesem Standort mitten in der Stadt die geringste "Schattenbildung" durch die Salzburger Stadtberge befürchtet wurde. Zudem ließ die geringe Sendeleistung von nur 500 Watt eine Aufstellung außerhalb der Stadt als nicht zweckmäßig erscheinen.

Es dauerte bis zum 21. Dezember 1930, ehe der Sender auf dem

Mönchsberg inmitten der Stadt Salzburg auf 1373 kHz in Betrieb ging. Die T-Antenne war zwischen einem 35 m hohen abgespannten und gegen Erde isolierten Gittermasten und die durch eine Stahlkonstruktion verstärkte Dachspindel des neben dem elektrischen Aufzug gelegenen Wasserturms gespannt.

Am 15. Januar 1934 erfolgte entsprechend dem Luzerner Wellenplan eine Frequenzänderung auf 1348 kHz und am 16. Februar 1935 konnte ein neuer 2 kW-Sender zu senden beginnen.

Während des 2. Weltkrieges wurde auf der "Süddeutschen Gleichwelle" 519 kHz (mit Innsbruck und Nürnberg) das Programm des "Reichssenders München" gesendet. Die Sendeleistung wurde auf 5 kW erhöht.

Im Oktober 1944 erlitt die Antennenanlage auf dem Mönchsberg einen Totalschaden durch einen Bombentreffer. Doch schon 2 Tage später konnte über eine provisorische Antenne wieder der Sendebetrieb fortgesetzt werden. Salzburg wurde 1945 zum Hauptquartier der amerikanischen Besatzungsmacht, die dem Rundfunk große Aufmerksamkeit schenkte. Nach ersten Versuchssendungen am 3. Juni 1945 auf 1267 kHz begann am 6. Juni 1945 in Salzburg die "Sendergruppe Rot-Weiß-Rot" zu senden. Im August 1945 wurde am Mönchsberg eine neuer 5 kW starker Westinghouse-Militärsender sowie ein 70 m-Mast aufgestellt. Entsprechend dem Kopenhagener Wellenplan wurde die Frequenz am 15. März 1950 auf 1250 kHz geändert.

Doch der Sender auf dem Mönchsberg war wegen sehr ungünstiger Standortbedingungen (schlechte Bodenleitfähigkeit, mitten im Stadtgebiet gelegen) unbefriedigend. Schon 1950 beauftragte die amerikanische Besatzungsmacht eine Baufirma mit der Errichtung von Fundamenten und eines Gebäudes für eine Sendeanlage in der Moosstraße südwestlich der Stadt Salzburg. Bis Weihnachten 1950 waren die Bauarbeiten beendet. Zu welchem Zweck die Anlage dienen sollte, war zunächst unklar. Misstrauen erweckte, dass das Gelände umzäunt war und von einem privaten Wachdienst bewacht wurde. In einer Zeitung war daher vom "Geheimsender Moosstraße" zu lesen. Es dürfte jedoch an den nachfolgend geschilderten technischen Problemen gelegen sein, dass die Mittelwellen-Sendeanlage an der Moosstraße auf 1250 kHz erst am 1. August 1952 in Betrieb gehen konnte.

Der Standort lag nämlich genau in der Einflugschneise des Flughafens Salzburg. Somit musste der 80 m hoch geplante Mast auf 60 m gekürzt und die ursprünglich geplante Sendeleistung von 20 kW auf 10 kW reduziert werden. Eine Quelle berichtet, dass der Mast zuvor schon in Wien im Einsatz stand. Auch der Sender war schon zuvor in Wien im Einsatz. Vermutlich handelte es sich um jenen, der auf dem Standort Sulzwiese stand, der 1950 aufgegeben wurde, weil die Sulzwiese in der sowjetischen Besatzungszone lag.

Die alte Anlage am Mönchsberg bestand nach Inbetriebnahme des Senders in der Moosstraße noch eine Zeit lang als Reservesender.

Im ehemaligen Sendergebäude am Mönchsberg befindet sich heute die Funküberwachung der Telekom Austria. In der angrenzenden Wiese findet sich noch das Fundament mit dem Fußpunktisolator des früheren Sendemastes.


Am 15. März 1954 erfolgte die Eingliederung der Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" in den "Österreichischen Rundfunk". Zunächst ging man davon aus, in Salzburg nur das 1. (regionale) Programm über den Sender in der Moosstraße ausstrahlen zu können, da zu diesem Zeitpunkt keine zweite Sendeanlage in Salzburg zur Verfügung stand. Ein Ausbau der Sendeanlage Moosstraße war wegen der Probleme mit der Luftfahrt nicht möglich. Kurzfristig konnte aber dann doch eine zweite Sendeanlage - offenbar von den Amerikanern - übernommen werden, welche allerdings anfänglich mit nur 200 Watt betrieben werden konnte.

Ab dem 18. Juli 1954 wurden somit das 1. (regionale) Programm auf 773 kHz mit 200 Watt vom Standort Salzburg-Lehen und das 2. (nationale) Programm auf 1475 kHz mit 10 kW vom Standort Moosstraße ausgestrahlt. Da das 1. Programm die weitaus meisten Hörer hatte, setzt sofort ein Sturm der Entrüstung über die schlechte Empfangsqualität ein. Das Signal reichte kaum über das Stadtgebiet von Salzburg hinaus. Erst im Dezember 1954 konnte Salzburg-Lehen auf 1 kW verstärkt werden. Am 6. November 1955 wechselte Salzburg-Moosstraße auf die für die gebirgige Lage günstigere Frequenz 584 kHz, da der Sender Kronstorf von 584 kHz auf 1025 kHz ging.

Wegen der weiter ungenügenden Standortsituation wurde eine Lokalität für eine leistungsfähige MW-Sendeanlage gesucht. Man fand sie in Bergheim nördlich der Stadt und wollte dort einen Antennenanlage mit 2 je 200 m hohe Masten errichten. Anfang der 1960er-Jahre wurde das Gelände angekauft und mit dem Bau der Fundamente so wie eines Gebäudes begonnen. Der Bau musste jedoch kurz vor Fertigstellung aus "flugtechnischen Gründen" eingestellt werden.


Das Sendergebäude des ehemaligen Mittelwellensenders in der Moosstraße im Südwesten von Salzburg 2010.
 
Ab dem 1. Oktober 1967 erfolgte die Ausstrahlung von "Österreich 1" auf 585 kHz, von "Österreich Regional" auf 773 kHz. Am 5. September 1977 wurde die Ausstrahlung von "Österreich Regional", 1981 die des verbleibenden Mischprogramms eingestellt. Die beiden Senderstandorte Lehen und Moosstraße wurden aufgelassen. Das Sendergebäude in der Moosstraße beherbergt heute Büros des Tourismus-TV-Senders "TW1".

1953 - Der Aufbau des UKW-Sendernetzes

letzte Änderung: 12.10.2010

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