LangweLlige Geschichte(n)



von

 NRK Finnmark, Ingøy 153 kHz
   Radio Bormania, Brasov-Bod 153 kHz  
 France Inter, Allouis 162 kHz
 Delta Radio, Niederlande 171 kHz (ehem. Plan)
 Sveriges Radio, Motala 189 kHz (schon Geschichte)
 BBC Radio 4 Droitwich & Co. 198 kHz
 Radio Monte Carlo, Roumoules 216 kHz
 Polskie Radio, Solec Kujawski 225 kHz
 Danmarks Radio, Kalundborg 243 kHz
 YLE Lahti, Finnland 252 kHz (schon Geschichte)
 

NRK Finnmark, Ingøy 153 kHz

Am 06.10.2000 wurde auf der eher kleinen Insel Ingøy 65 km westlich des Nordkaps ein 100 kW starker Langwellensender auf 153 kHz eröffnet (Testbetrieb ab 29.09.2000). Als Antenne dient ein 362 m hoher abgespannter Gittermast. Der Sender Ingøy ersetzte den alten Mittelwellensender von Vadsø auf 702 kHz und den Langwellensender Tromsø auf 153 kHz.

Norwegen betriebt überdies entlang der Küste noch mehrere Mittelwellensender, um die Fischer, Seeleute und Arbeiter auf den Ölplattformen mit Rundfunk versorgen zu können, was vor der Möglichkeit des Satellitenempfangs nicht möglich war, da das in Norwegen sehr gut ausgebaute UKW-Sendernetz nicht sehr weit auf das Meer hinaus reichte.

Nahe des Nordkaps bestand schon seit 1935 ein Langwellensender. Der 1991 stillgelegte Sender in Tromsø war seit 1936 zunächst auf 282 kHz mit 10 kW in Betrieb. 1950 wurde die Frequenz auf 155 kHz geändert und 1952 die Antennenanlage mit 2 je 120 m hohen abgespannten Masten, zwischen denen vermutlich eine T-Antenne aufgehängt war, erneuert. Heute dient das ehemalige Stationsgebäude in Tromsø dem örtlichen Telemuseum als Unterkunft. Auch der Langwellensender von 1935 ist dort noch zu sehen. Die Masten wurden demontiert, jedoch blieb von einem Mast ein 16 m hoher Stumpf übrig, welcher heute für Mobilfunk genutzt wird.

Vor 1950 waren in Norwegen eine ganze Reihe von Langwellensendern in Betrieb:

Bergen I, Askøy

1937-14.03.1950

260 kHz

20 kW

Bergen II, Askøy

1937-14.03.1950

355 kHz

1 kW

Bodø Hernesmyra

1938-1939

347 kHz

10 kW

 

1939-1942

253 kHz

10 kW

Bodø Løp

1943-14.03.1950

253 kHz

10 kW

Ingøy

seit 06.10.2000

153 kHz

100 kW

Oslo Lamberseter

17.09.1930-14.01.1934

277 kHz

60 kW

 

15.01.1934-14.03.1950

260 kHz

100 kW

 

15.03.1950-10.07.1954

218 kHz

100 kW

Oslo Kløfta

11.07.1954-31.01.1988

218 kHz

200 kW

 

01.02.1988-02.01.1995

216 kHz

200 kW

Tromsø Middelskolen

1935-1936

235 kHz

0,1 kW

Tromsø Langneset

1936-14.03.1950

282 kHz

10 kW

 

15.03.1950-31.01.1986

155 kHz

10 kW

 

01.02.1986-1991

153 kHz

10 kW

Vadsø

15.01.1934-1940

347 kHz

10 kW

 

1940-1941

347 kHz

1 kW

 

1941-1944

347 kHz

10 kW

 

1945-1949

347 kHz

1 kW

Vigra

1935-1940

253/260 kHz

10 kW

 

1940

260 kHz

100 kW

Der leistungsstärkste Langwellensender Norwegens entstand 1930 in Lambertseter, 6 km südöstlich des Stadtzentrums vom Oslo. Man sendete zunächst mit 60 kW, ab 1934 mit 100 kW über eine T-Antenne, die zwischen 2 abgespannten Fachwerkmasten angebracht war. Durch die Ausdehnung des Siedlungsgebiets von Oslo kam es 1954 zu einer Standortverlegung nach Kløfta, ca. 25 km nordöstlich des Osloer Stadtzentrums. Die Anlage in Lambertseter blieb bis 1974 als Ersatz für Kløfta bestehen und wurde danach abgebaut. Noch heute erinnert der "Antenneveien" (Antennenweg) an die Sendeanlage.

Die Sendeanlage Kløfta verlor durch den Ausbau des UKW-Sendernetzes in den 1970er-Jahren rasch an Bedeutung. Die Entscheidung zur Auflassung der Anlage fiel sehr plötzlich, die Abschaltung am 2.1.1995 um 14:48 Uhr erfolgte weitgehend unbemerkt. Schon wenige Tage später begann der Abriss der Sendeanlage.

Eine norwegische Besonderheit waren die "Linjesender", die Stromleitungen als Antenne verwendeten. Insgesamt waren von 1953 bis 1978 auf Langwelle bis zu 14 solcher Anlagen auf 285 bis 300 kHz mit Leistungen von 0,25 bis 2 kW in Betrieb. Der "Linjesender" Røldal (1 kW auf 285 kHz) wurde erst 1987 außer Betrieb genommen.

Die Frequenz 216 kHz wurde für eine Nutzung durch private Anbieter ausgeschrieben (bis 1200 kW Sendeleistung zulässig; Senderstandort an der Südwestküste Norwegens). Zwischen 2001 und 2006 versuchte eine private Initiative, unter dem Titel "Northern Star" wieder einen Sendebetrieb auf Langwelle aus Norwegen auf die Wege zu bringen. Das Projekt scheiterte.

Telemuseum Tromsø: http://www.telemuseum.no/joomla/index.php?option=com_content&task=view&id=424&Itemid=36 (in Norwegisch)


Radio Romania, Brasov-Bod 153 kHz
Dem Beispiel anderer Länder wie Deutschland, Dänemark, Schweden und Großbritannien folgend, sollte mit einem zentralen Sender auch Rumänien abgedeckt werden. 1929 begann man mittels einer im 1. Weltkrieg erbeuteten deutschen Funktelegrafieanlage, die 2 je 40 m hohe Teleskopmasten und einen 750 Watt-Sender besaß, mit Feldmessungen zur Erkundung eines Standortes. Die Versuchssendungen auf 156 kHz dauerten 2 Jahre lang. Am Ende stellte sich der Standort beim Städtchen Feldioara, etwa 18 km nördlich von Brasov am günstigsten heraus. Dieser Standort befand sich etwa im geographischem Zentrum des Staatsgebiets von Rumäniens, zu dem damals auch das heutige Moldawien sowie die südliche Teile der heute ukrainischen Bukowina gehörte. Beim zunächst angedachten Grundstück bei Feldioara weigerte sich jedoch der Eigentümer zu verkaufen. Eine entsprechende Liegenschaft fand man schließlich unweit bei der Ortschaft Bod ca. 10 km nördlich von Brasov.

Umgehend begann man mit dem Bau einer provisorischen Sendeanlage mit 20 kW Leistung. Die Antenne war an 2 je 40 hohe Masten aus Kiefernholz aufgehängt.

Rumänien besaß jedoch noch keine offiziell zugewiesene Langwellenfrequenz. Bei der internationalen Rundfunkkonferenz in Madrid 1932 deponierte man daher nachdrücklich die Planungen. Dabei war sollte behilflich sein, dass die Sendeanlage in Bod bei Eröffnung der Konferenz bereits betriebsbereit war. Bei einer Vorbereitungskonferenz in Brüssel zum Luzerner Wellenplan wurde Rumänien die Frequenz 235 kHz zugeteilt. Aufgrund der Ergebnisse der Versuchssendungen wollte man jedoch eine Frequenz am unteren Ende des Langwellenbandes haben. Die gewünschte Frequenz bei etwa 160 kHz wurde jedoch bereits von den Niederlanden genutzt. Im Luzerner Wellenplan, der am 15. Januar 1934 Gültigkeit bekam, wurde Rumänien die Langwellenfrequenz 160 kHz zugesprochen. Die Niederlande unterzeichneten den Vertrag nicht.

1933 begann der Bau einer endgültigen Anlage mit 150 kW Sendeleistung, zu der Guglielmo Marconi den Auftrag zur Lieferung der Sendetechnik bekam. Der hohe Grundwasserspiegel bot zwar ideale Bedingungen für einen Langwellensender, bereitete jedoch große Probleme bei der Errichtung der Bauten. Das Sendergebäude musste daher auf auf Fundament 15 m langen imprägnierten Eichenstämmen gestellt werden. Die beiden von rumänischen Firmen errichteten jeweils 225 m hohen, jeweils in 7 Ebenen dreifach abgespannten Sendemasten stellten eine Europapremiere dar. Die Anlage war im Januar 1935 technisch weitgehend fertiggestellt, ging aber erst am 1. Januar 1936 auf 160 kHz offiziell in Betrieb; damals einer der stärksten Sender in Europa. Die Stromversorgung erfolgte mittels 3 je 700 PS starken Dieselaggregaten, da es jedoch in dieser Gegend keine ausreichende Stromversorgung gab.

1940 kamen große Teile Siebenbürgens an Ungarn. Der Sender Bod lag nun in nur 2 km Entfernung zur Staatsgrenze zu Ungarn. 1941 wurde er auch kurzfristig von feindlichen Legionären besetzt. Den Krieg überstand die Anlage weitgehend unbeschadet. Lediglich ein Mast wurde bei einem Bombenangriff beschädigt und 1946 restauriert.

Nach dem Vereinbarungen des Kopenhagener Wellenplanes musste man am 15.3.1950 die Frequenz von 160 kHz auf 155 kHz ändern.

1965 wurde die Station durch einen neuen Sender aus Frankreich von "Thomson-Houston" auf 1200 kW verstärkt. Die Sendeantenne wurde umgebaut und besteht seither aus 2 je 150 m hohen abgespannten Masten mit einer Dachkapazität zwischen den Mastspitzen, die einen gefalteten Monopol ergeben. Am 01.02.1986 erfolgte aufgrund des Genfer Wellenplanes eine geringe Frequenzänderung auf 153 kHz. 2003 wurde der Sender durch einen neuen von "Harris" ersetzt, der voll transistorisiert ist, jedoch nur mehr 200 kW Leistung bietet. Während früher über die Langwelle immer das 1. Programm des Rumänischen Rundfunks, das sich auch "Radio România Actualităţi" nennt, gesendet wurde, wird seit 2008 das Programm "Antena Satelor" übertragen, was mit "Dorfradio" übersetzt werden kann, und das sich an die ländliche Bevölkerung richtet.


schon Geschichte: France Inter, Allouis 162 kHz

Der Langwellen-Rundfunk begann in Frankreich schon am 24.12.1921, als der Militärsender auf dem Eiffelturm auf 113 kHz mit 1 kW den Betrieb aufnahm. Diese Station sendete auch Wetterberichte, allgemeine Nachrichten und Unterhaltungssendungen. 1927/28 wurde die Sendeleistung auf 13 kW erhöht und die Frequenz auf 208 kHz geändert. Mitte der 30er-Jahre musst die Station auf Mittelwelle wechseln, verlor daraufhin aber den Großteil der Hörer und musste bald schließen.

Am 06.11.1922 nahm die private Station "Radiola" mit 2 kW auf 192 kHz den Betrieb auf. 1923 wurde die Frequenz auf 169 kHz geändert. Am 29.03.1924 erfolgte die Namensänderung zu "Radio Paris" und die Eröffnung einer neuen Sendeanlage in Clichy (nordwestlich des Zentrums von Paris) mit 10 kW. Am 29.11.1925 erfolgte eine neuerliche Frequenzänderung auf 172 kHz und am 30.06.1929 musste entsprechend des Prager Wellenplanes die Frequenz erneut auf 174 kHz geändert werden. 1931 nahm man den Sender St. Rémy im Südwesten von Paris mit 80 kW Leistung und einer aus 3 je 208 m hohen Masten bestehenden Antenne in Betrieb. 1933 wurde "Radio Paris" verstaatlicht. Statt jedoch 1934 die im Luzerner Wellenplan geplante Frequenz 167 kHz zu benützen, sendete man auf 182 kHz, da auf 166 kHz ein Sender in Lahti/Finnland (siehe weiter unten) weiter seine Sendungen ausstrahlte.

1936 plante man, im Zentrum Frankreichs, einen starken Langwellensender zu errichten und im Juli 1939 nahm der Sender Allouis seinen Betrieb auf und ersetzte damit den Sender in St. Rémy. Damals war er mit 2 x 450 kW der leistungsstärkste Sender der Welt. Der Standort für diesen Großsender wurde gewählt, da er sich in etwa im Zentrum Frankreichs befindet und in der Umgebung kaum Erhebungen zu finden sind, die die Signalausbreitung stören könnten. Die Antenne bestand aus 4 je 250 m hohen Gittermasten. Neben dem Langwellensender entstand auch eine Kurzwellensendeanlage. Schon im Sommer 1944 wurde die Anlage von deutschen Truppen fast vollständig zerstört.

Im Mai 1940 wurde die Station von St. Rémy noch einmal zum Leben erweckt. Da Radio Luxemburg nach der Besetzung des Großherzogtums durch deutsche Truppen eingestellt wurde, sendete Frankreich unter dem Titel "Radio Paris 2" ein spezielles Programm mit 40 kW auf 232 kHz - der Frequenz von Radio Luxemburg. 2 Tage vor der deutschen Besetzung von Paris (14.06.1940) wurden diese Sendungen eingestellt.

Im Kopenhagener Wellenplan wurden dem neuen Sender Allouis 164 kHz zugeteilt. Am 19.10.1952 wurde auf dieser Frequenz ein neuer Langwellensender mit 250 kW Leistung und

 


Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Avialle (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

einem 308 m hohen Antennenmast in Betrieb genommen. Bei der Antenne handelte es sich um eine Spezialkonstruktion: Am Gittermast waren in mehreren Metern Abstand 3 Reusenantennen angebracht, die am Mastfuß mit Energie gespeist, an der Mastspitze nach außen umgelenkt wurden. Die Antennendrähte erreichten in einem Abstand von der halben Wellenlänge (= 915 m) den Erdboden. Da am Endpunkt keine Spannung mehr vorhanden war, konnten die Drähte geerdet werden, womit die Antenne über einen idealen Blitzschutz verfügte. Die Antenne bildete einen so genannten gefalteten Monopol mit 0,55 Wellenlänge, was für eine sehr effektive Abstrahlung sorgte.

Zahlreiche Fotos und Quelle der Infos (Französisch):
http://perso.wanadoo.fr/tvignaud/am/allouis/fr-allouis.htm

Anfang 1957 erfolgte die Verstärkung mit einem zweiten 250 kW-Sender und am 01.07.1967 mit einem zusätzlichen 600 kW-Sender auf insgesamt 1100 kW Sendeleistung. 1974 erfolgte eine erneute Verstärkung durch eine 1000 kW-Einheit auf insgesamt 2100 kW. Am 02.04.1981 nahm schließlich eine zweite 1000 kW-Sendeeinheit den Betrieb auf, welche die beiden alten Einheiten von je 250 kW ersetzt. Seitdem werden die beiden 1000 kW-Einheiten tagsüber parallel betrieben. Nachts (Sommer 19.00 bis 04.00 Uhr; Winter 16.00 bis 04.00 Uhr) wird mit nur 1000 kW gesendet. Der 600 kW-Sender diente als Reserve.

1974 erfolgte auch der Umbau der Antennenanlage. Etwa 600 m nördlich des Sendemastes wurde ein zweiter 350 m hoher Mast errichtet. Am ursprünglichen Sendemast wurden die Reusenantennen entfernt und der Mast ebenfalls auf 350 m Höhe ausgebaut. Zweck der Maßnahme war, eine bessere "Ausleuchtung" des Nordens und Südens Frankreichs zu erreichen, indem der Südmast als Reflektor dient. Der Südmast kann jedoch auch mit Leistung belegt werden, um Wartungsarbeiten am Nordmast zu ermöglichen, ohne den Sendebetrieb unterbrechen zu müssen.

Von von 1952 bis 1977 wurde auf 164 kHz gesendet, ehe wegen der zusätzlichen Aufschaltung eines Signals für die Steuerung von Uhren eine geringe Korrektur auf 163,840 kHz erfolgte. Am 01.02.1986 wurde die Frequenz auf Grund des Genfer Wellenplanes auf die aktuellen 162 kHz geändert.

Am 31.12.2016 wurde aus Kostengründen die Ausstrahlung von "France Inter" beendet. Da über den Sender jedoch auch die Aussendung eines Zeitsignales erfolgt, strahlt der Sender mit einer auf 1100 kW verminderten Leistung weiter ein unmoduliertes Trägersignal mit dem Zeitsignal aus.


Ehem. Plan: Delta Radio, Niederlande 171 kHz  (Mit Beginn 2002 Lizenz verfallen)
Mitte der 1990er-Jahre Jahren tauchte in den Niederlanden die Idee auf, die dem Land bei der Genfer Wellenkonferenz 1975 zugeteilte Langwelle 171 kHz für einen kommerziellen Anbieter zu nutzen.

Bald stellte sich heraus, dass die Niederlande für einen kommerziellen Sendebetrieb auf Langwelle zu wenig lukrativ waren. Man plante daher, mit einer Richtantenne mit 2000 kW nach Großbritannien zu senden. Zuerst dachte man daran, auf dem Gelände des ehemaligen Küstenfunksenders Kootwijk (Radio Scheveningen) westlich von Apeldoorn diese Sendeanlage zu bauen. Dagegen formierte sich jedoch heftiger Widerstand von Umweltschützern und Anrainern. Die Umweltschützer stört, weil das Gelände direkt an ein großes Naturschutzgebiet grenzt. Die Anrainer wiederum fürchten eine schädlichen Auswirkungen der hohen Feldstärke.

Nun plante man eine Sendeanlage 34 km vor der Küste der Insel Walcheren an der Scheldemündung. Die Antennenanlage sollte je nach Ausführung entweder aus 2 Antennentürmen von 412 und 391 m oder aus 4 Masten zu je 345 m bestehen. Gegen diese Pläne formierte sich aber auch heftiger Widerstand der Umweltschützer. Die Anlage sollte im Sommer 2001 in Betrieb gehen, doch die Widerstände und Finanzprobleme verhinderten einen Baubeginn, wodurch Ende 2001 die Lizenz vorerst verfiel. Mitte 2004 wurden die Pläne schließlich endgültig begraben.


schon Geschichte: Sveriges Radio, Motala 189 kHz

Motala liegt am Ostufer des Vättersees im Zentrum Südschwedens, etwa auf halber Wegstrecke zwischen Stockholm und Göteborg (Entfernung jeweils etwa 200 km). Dies war 1927 der Grund, hier den stärksten schwedischen Rundfunksender zu errichten. Schon 1926 wurde in Karlsborg (am Westufer des Vättersees gelegen) ein Langwellensender für Telegrafie mit 10 kW auf 218 kHz in Betrieb genommen und versuchsweise für Rundfunksendungen genützt. Der Sender Motala ging am 1. Juni 1927 in Betrieb und sendete anfänglich mit 30 kW auf 227 kHz.

Die Antenne folgte dem damals völlig neuem Konzept eines gefalteten Monopols. Dabei wird wird ähnlich einer damals häufig verwendeten T-Antenne die Sendeenergie einer vom Sendergebäude senkrecht nach oben führenden Leitung zugeführt. Durch die große Wellenlänge ist jedoch zur Erzielung einer Resonanz eine so genannte Dachkapazität notwendig, die bei einer T-Antenne von 2 rechtwinkelig zur Seite führenden Drähten gebildet wird. Im Fall von

Das Sendergebäude des ersten Langwellensenders in Motala
Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Riggwelter (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)]
Motala gab es nur einen Dachkapazitätsschenkel, der in 110 m Höhe nach 140 m in einen senkrecht nach unten führenden Draht mündete. Dieser zweite senkrechte Draht wirkte ebenfalls als Strahler und erhöhte den Wirkungsgrad der Antenne insgesamt. Die Antenne war zwischen zwei je 120 m hohen und im Abstand von 240 m stehenden Masten aufgespannt, welche auch heute noch existieren. Im Sendergebäude ist heute das Schwedische Radiomuseum untergebracht.

1930 wurde die Frequenz auf 222,5 kHz und am 15. 1.1934 als Folge des Luzerner Wellenplanes auf 216 kHz geändert. 1935 wurde schließlich ein 150 kW starker Marconi-Sender in Betrieb genommen. Die 1939 in Montreux vereinbarte Frequenzänderung auf 214,5 kHz unterblieb wegen des Ausbruchs des 2. Weltkrieges. Am 15.3.1950 erfolgte aber entsprechend dem Wellenplan von Kopenhagen eine Frequenzänderung auf 191 kHz, auf der aus Motala bis 1986 gesendet wurde.

In den 1950er-Jahren stiegen die Ansprüche an die Rundfunkversorgung und damit die Sendeleistungen. Der Sender wurde damals von bis zu 850.000 Menschen gehört, was rund 12% der damaligen schwedischen Bevölkerung entsprach. Da sich der Sendestandort im Stadtteil Bondebacka in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums von Motala befand, war eine notwendige Erweiterung der Antennenanlage nicht möglich. Mitte der 1950er-Jahre entschloss man sich daher, in Orlunda, 13 km südlich von Motala, eine neue Sendeanlage für die Langwelle zu errichten.

Die neue Anlage ging 1962 in Betrieb. Zwei Sender zu je 300 kW erlaubten einen Parallelbetrieb mit 600 kW über eine Antennenanlage, welche aus einem 250 m hohen neben dem Sendergebäude stehenden Zentralmast und 5 im Kreis darum angeordneten je 200 m hohen Masten bestand. Der Abstand zwischen dem Zentralmast und dem "Ring" betrug 630 m. Alle 6 Masten wurden vom Sender angespeist, allerdings die Außenmasten gegenüber dem Zentralmast um 180° phasenverschoben. Im Juli 1970 schlug ein Blitz in den Zentralmast ein, der den Fußpunktisolator zerstörte, wodurch der Mast zusammenbrach und auf das Sendergebäude stürzte. In der Folge wurde nur mehr über die 5 Außenmasten gesendet.


Das 1962 in Orlunda bei Motala errichtete Antennensystem.

Während der Energiekrise 1974 wurde der Sender mit nur 150 kW betrieben, später die Leistung aber wieder auf 300 kW erhöht, zum Ende des Sendebetriebs aber auf 160 kW gesenkt. Am 01.02.1986 erfolgte eine geringe Frequenzänderung auf 189 kHz, 1987 wurden 3 der 5 Außenmasten gesprengt. Am 30.11.1991 wurde schließlich der Sendebetrieb auf Langwelle aus Motala eingestellt, da in Schweden eine nahezu lückenlose Versorgung auf UKW existiert. Eine Erhebung einige Jahre zuvor ergab, dass im Durchschnitt nur mehr 200 Personen den Langwellensender in Motala hörten. Die beiden noch bestehenden Masten der einstigen großen Antennenanlage wurden 1994 bzw. 1995 abgebaut.

Neben Motala war in Schweden noch der Sender Luleå mit 20 kW auf 182 kHz auf Langwelle in Betrieb. Diese Station wurde schon Mitte der 1980er-Jahre eingestellt.

Mehr dazu: http://hem.passagen.se/longwave (Schwedisch)

Quelle: http://www.samlaren.org/motala (Schwedisch)

Karlsborg LW-Station: http://home.swipnet.se/~w-41522/lfpics/lfpics.html
                                 http://www.samlaren.org/kborgstn.htm (Schwedisch)

Danke an Christian Stödberg in Trollhättan/Schweden für die Infos zum Sender Motala.


BBC Radio 4 Droitwich & Co. 198 kHz
Annähernd im geografischen Zentrum des Südteils der Britischen Hauptinsel gelegen, war Droitwich knapp südlich von Birmingham ein idealer Standort für einen Langwellensender. Dieser nahm am 07.10.1934 mit 150 kW seinen Betrieb auf 200 kHz auf.

Von 25.07.1925 bis 07.10.1934 war bereits ein 25 kW-Langwellensender in Daventry (etwa 80 km westlich von Droitwich) auf 187,5 kHz (1925), 187 kHz (1927), 193 kHz (1929) und 200 kHz (1931) in Betrieb.

Infolge des Beginns des 2. Weltkrieges wurde der britische Rundfunk auf ein Einheitsprogramm umgestaltet, das über zwei Gleichwellen im Mittelwellenband ausgestrahlt wurde. Der LW-Sender Droitwich wurde außer Betrieb gesetzt und in der Folge für einen MW-Betrieb umgebaut. Ausgestrahlt wurden Programme für das Ausland. Im Juni 1941 wurde in Droitwich ein neuer 400 kW-Sender in Betrieb genommen, sodass der LW-Sender auf 200 kHz wieder in Betrieb genommen werden konnte. Der Sender wurde im Synchronbetrieb mit dem alten 25 kW-LW-Sender in Daventry und einem neuen Sender in London-Brookmans Park betrieben. Zur Ausstrahlung gelangten Programme für das Ausland.

Im Februar 1943 ging in Ottringham in der Nähe von Hull an der englischen Ostküste ein für Kriegszwecke optimierte Sendeanlage mit 4 Sendern zu je 200 kW in Betrieb. Die Sender konnten sowohl individuell als auch zusammengeschaltet auf Lang- und Mittelwelle betrieben werden. Die Langwelle 200 kHz wechselte nun nach Ottringham.

Am 29. Juli 1945 kehrte der britische Rundfunk wieder zum "Friedensbetrieb" zurück. Die Langwelle 200 kHz ging zurück nach Droitwich. Die BBC wollte jedoch weiter für das Ausland auf Langwelle senden und benützte dafür zunächst 250 kHz, was zu ungünstigen Nebenwellenausstrahlungen führte. Man wechselte daher auf 271 kHz, wo allerdings ein Sender in Leningrad die Reichweite stark verringerte.


Sender Droitwich  Quelle: Wikimedia Commons

Sender Burghead / Quelle: Wikimedia Commons
  Nach einigen Frequenzwechseln anderer Stationen ging der Sender Ottringham schließlich auf 167 kHz, welche im seit 1934 gültigen Luzerner Wellenplan "Radio Paris" zugeteilt waren, von der Station aber nicht genutzt wurden ("Radio Paris" sendete auf 182 kHz), weil der Sender Lahti/Finnland auf 166 kHz sendete. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Finnland gezwungen, auf 160 kHz zu wechseln, womit die 167 kHz frei waren.

Der Sendestandort Ottringham erwies sich jedoch in Friedenszeiten als unzweckmäßig. Überdies wurden im Kopenhagener Wellenplan 164 kHz dem neuen Sender Allouis in Frankreich zugeteilt. Damit wurden die Sendungen der BBC auf 167 kHz 1950 eingestellt. 1953 ging die Anlage in Ottringham komplett außer Betrieb und wurde abgetragen.

Seither wurde aus Droitwich auf 198 kHz (vor dem 01.02.1988  200 kHz) mit 400 kW das Programm von BBC Radio 4 über eine an zwei je 213 m hohen Masten aufgehänge T-Antenne gesendet. Insgesamt stehen auf dem Gelände in Droitwich 4 Masten. Es werden an diesem Standort außer dem Langwellenssender noch 3 Mittelwellensender auf 693 (BBC R. 5 Live, 150 kW), 1053 (Talk Radio UK, 100 kW) und 1215 (Virgin R., 50 kW) kHz betrieben.

Erst 1978 wurde in Burghead (60 km nordöstlich von Inverness, Schottland) und 1980 in Westerglen (50 km südöstlich von Glasgow, Schottland; Antennenmast 152 m top loaded) je ein Langwellensender mit 50 kW Leistung installiert, die im Gleichwellenbetrieb BBC Radio 4 ausstrahlen. In den 90er-Jahren kam noch (ein Kuriosum) ein 4 Watt-Sender im viel befahrenen Dartford-Tunnel unter der Themse östlich von London dazu.

Bilder der Sender Droitwich, Burghead, Westerglen: http://tx.mb21.co.uk/gallery/droitwich


Radio Monte Carlo, Roumoules 216 kHz

Radio Monte Carlo besitzt 3 Sendeanlagen, die allesamt wegen der geringen Größe des Fürstentums in Frankreich liegen.

Am 20. März 1942 unterzeichnete das Fürstentum Monaco einen Pachtvertrag mit "Radio Monte Carlo", womit der Betrieb einer kommerziellen Rundfunkstation von dessen Territorium aus möglich wurde. Am 12. Juli 1943 begannen die Sendungen auf 1240 kHz. Nach der Sprengung der Sendeanlage durch deutsche Truppen im August 1944 dauerte es bis zum 23. Juni 1945, ehe über einen provisorischen Sender und unter alliierter Kontrolle die Programme wieder aufgenommen werden konnten.

Am 10. Oktober 1945 nahm die Sendeanlage Fontbonne am Nordhang des Berges Agel im Hinterland von Monaco mit 10 kW auf 731 kHz den Betrieb auf, wechselte aber bald auf 1466 kHz. Weiters wurde über einen 300 Watt-Kurzwellensender auf 6035 kHz gesendet. 1948 wurden 2 Kurzwellensender zu je 25 kW installiert. 1949 erfolgte die Inbetriebnahme eines neuen MW-Senders mit 120 kW, der 1954 auf 200 kW und 1955 auf 400 kW verstärkt wurde.

Die Sendeantenne für die Mittelwelle war einzigartig, weil der abgespannte Sendemast nicht am Boden, sondern auf einem frei stehenden Fachwerkgerüst stand. Durch diese Form der Höhenanspeisung wollte man offenbar eine günstigere Abstrahlung erreichen. Außergewöhnlich war auch die lange oberirdische Zuleitung, da der Sendemast weit oberhalb von Fontbonne am Berg Agel stand bzw. in umgebauter Form noch heute steht.

Die beiden Kurzwellensender wurden ab 1960 zeitweilig für Sendungen der religiösen Station Trans World Radio (TWR) verwendet. Ab dem 16. Oktober 1961 begannen reguläre Sendungen, jedoch über einen neuen 100 kW-Kurzwellensender, der 1963 mit einem zweiten Sender ergänzt wurde. 1981 wurde ein zusätzlicher Kurzwellensender mit 500 kW installiert. Ab 1966 nutzte TWR auch die Mittelwelle 1466 kHz.

1965 entstand am Col de la Madone, 3,5 km nördlich von Fontbonne, ein neues Sendezentrum für Lang- und Mittelwelle. Die Inbetriebnahme der Langwelle 218 kHz erfolgte im März 1965. Zum Einsatz kamen 2 Sender zu je 600 kW, die zu einer Leistung von 1200 kW zusammen geschaltet werden konnten. Als Antenne dienten 3 je 320 m hohe Masten, von denen jedoch nur der mittlere mit Sendeenergie eingespeist wurde. Die beiden anderen Masten dienten als Direktor bzw. Reflektor. Die Senderichtung war nach Bordeaux orientiert. Die Versorgungslage war jedoch insgesamt enttäuschend. Nicht nur, dass die bevölkerungsreichen Gebiete im Norden Frankreichs mit Paris nicht erreicht werden konnten, war auch die Bodenleitfähigkeit auf den steinigen Anhöhen im Hinterland von Monaco für die Langwelle sehr ungünstig. Man entschied daher 1972, einen neuen Standort zu suchen, der jedoch wegen des damals in Frankreich gültigen Rundfunkmonopols der ORTF nicht weiter als 100 km von Monaco entfernt liegen durfte. Das neue Sendezentrum wurde schließlich in Roumoules, exakt 100 km nordwestlich von Monaco errichtet und ging 1974 in Betrieb.

La Madone wurde in der Folge für die Mittelwelle umgebaut. Die beiden je 600 kW starken Sender konnten sowohl einzeln als auch zusammen geschaltet auf den beiden Frequenzen 701 (seit 1978  702) kHz und 1466 (seit 1978  1467) kHz verwendet werden. Für das seit 1974 auf 701 (heute 702) kHz gesendete italienische Programm kam jedoch vorerst der alte 10 kW-Sender in Fontbonne zum Einsatz, während das französische Programm und die internationalen Sendungen auf 1466 kHz mit 1200 kW aus La Madone gesendet wurden. Ab 1977 kam dann das nur tagsüber von von 7:00 bis 20:00 Ortszeit ausgestrahlte italienische Programm auf 701 kHz mit 1200 kW aus La Madone. Auf 1466 kHz kam für das französische Programm tagsüber der alte 400 kW-Sender in Fontbonne zum Einsatz, während man nach Sendeschluss des italienischen Programms den 1200 kW-Sender in La Madone für die Sendungen von "Trans World Radio" nutzte.

In La Madone standen 2 Richtantennenanlagen mit je 2 abgespannten Fachwerkmasten zur Verfügung. Die nördliche Anlage diente der Abstrahlung des italienischen Programms auf 701 kHz und ist nach Mailand ausgerichtet. Über die südliche Anlage wurde auf 1466 kHz gesendet. Diese Anlage strahlte in die Vorzugsrichtung Norden.

Die hohe und international nicht koordinierte Sendeleistung führte zu erheblichen Störungen anderer Stationen, die auf den gleichen Frequenzen arbeiteten. Im Genfer Wellenplan wurden daher für RMC niedrigere Sendeleistungen festgelegt: auf 702 kHz 300 kW, auf 1467 kHz 1000 kW. Dennoch war das MW-Signal von RMC auf 702 kHz begünstigt durch die ideale Ausbreitung über Seewasser im fernen Rom mit Ortssenderqualität zu empfangen (eigene Beobachtung 1982). Da Radio Monte Carlo seit den 1990er-Jahren über zahlreiche eigene UKW-Sender in Italien verfügt, wurde auf 702 kHz das Lokalprogramm über einen 1984 angekauften 50 kW-Sender ausgestrahlt und schließlich die eigenen Mittelwellenausstrahlungen eingestellt.

Die heutige Langwellen-Sendeanlage wurde erst 1974 bei Roumoules in der Nähe von Tarbes in der Provence, fast 100 km westlich von Monaco und 50 km im Landesinneren errichtet. Die beiden je 1000 kW starken Sender strahlen auf 216 kHz (vor dem 01.02.1988  218 kHz) im Parallelbetrieb über eine aus 3 je etwa 300 m hohen Masten bestehenden Antennenanlage mit Richtwirkung Nordwest (309° in einer Linie nach Nantes und Brest). Als Ersatzantenne steht ein 330 m hoher Mast mit Rundstrahlung zur Verfügung. 1983 wurde ein dritter 1000 kW-Sender (als Reserve) beschafft. Seit 1976 wird allerdings mit nur 1400 kW auf Langwelle gesendet. Der Bereich einer optimalen Versorgung reicht etwa bis zu Linie Nantes-Paris-Reims-Dijon-Lons le Saunier.

1987 wurde statt der mit Rundstrahlantenne betriebene Sendeanlage in La Madone auf 1467 kHz eine aufwändige Richtantennenanlage in Roumoules in Betrieb genommen. Diese Antennenanlage besteht aus 5 je 100 m hohen Masten, die folgende Senderichtungen zulassen:

- Vereinigtes Königreich 325°
- skandinavische Länder und Nordost-Europa 25°
- Osteuropa 85°
- Spanien, Portugal, Nordafrika 241°
- Italien und Griechenland 150°

Die Anlage wird mit 1000 kW betrieben.

Am 29. Oktober 2011 wurden die Kurzwellenausstrahlungen aus Fontbonne gänzlich eingestellt, nachdem diese schon die Jahre zuvor immer mehr reduziert wurden. Aus Fontbonne wird seit 2004 die Mittelwelle 1350 kHz für "Radio Orient" mit 10 kW und seit 2003 die Mittelwelle 1557 kHz für "France Info" mit 300 kW eingesetzt. wofür ein eigener neuer Sendemast westlich des Sendegebäudes errichtet wurde. Aus La Madone wird seit 2007 auf 702 kHz mit 40 kW "China Radio International" und auf 1467 kHz mit 40 kW tagsüber "Radio Maria" gesendet, während abends TWR mit 1000 kW aus Roumoules auf 1467 kHz sendet.


Polskie Radio, Solec Kujawski 225 kHz
Der Sender wurde erst am 4. September 1999 eröffnet, nachdem Jahre lang auf 225 kHz ein Provisorium mit 400 kW Leistung in Raçzýn benützt wurde, um Polen mit dem ersten Programm auf Langwelle zu versorgen.

Der Sendemast am ursprünglichen Standort in Konstantynów nahe Płock (100 km nordwestlich von Warschau) war mit 646,38 m das damals höchste jemals auf der Welt errichtete Bauwerk. Diese 2000 kW-Anlage wurde am 22. Juli 1974 eröffnet. Bei Renovierungsarbeiten stürzte der Mast am 10. August 1991 in sich zusammen.

Man wollte die Anlage sofort wieder aufbauen, jedoch wehrten sich die Bewohner vor allem des nahen Dorfes Gąbin dagegen, da sie wegen der hohen Feldstärke um ihre Gesundheit fürchteten. 1995 wurde entschieden, die Anlage an einem anderen geeigneten Standort zu errichten, den man in Solec Kujawski an der Weichsel etwa 15 km südöstlich der Stadt Bydgoszcz und etwa 200 km nordwestlich von Warschau, fand. Während aber der alte Standort bei Gąbin ziemlich genau im geografischen Zentrum Polens lag und das Land mit einer Rundstrahlantenne versorgen konnte, war in Solec Kujawski eine Richtantenne mit 2 Masten notwendig, wobei über einen 330 m hohen oben gespeisten Mast gesendet wird, und ein 289 m hoher Mast etwa 330 m südöstlich davon zur Erzielung einer Richtwirkung nach Südost dient. Die Sendeleistung beträgt tagsüber 1200 kW, nachts 700 kW (Stand 2016).

Infos zum alten Mast: http://www.zb.eco.pl/gb/19/gabin.htm (Englisch)

Der erste Langwellensender in Polen nahm am 2. Januar 1927 im Fort Mokotowski westlich des Stadtzentrums von Warschau auf 269 kHz den Betrieb auf, nachdem es schon seit dem 15. Dezember 1926 Versuchssendungen gegeben hatte. Die Sendeleistung betrug 1 kW. Schon kurze Zeit später wechselte man auf 306 kHz und in den Folgejahren auf 270, 211 und 212,5 kHz, ehe man 1930 auf die Mittelwelle 530 kHz ging.

Der Sendestandort im Fort Mokotowski wurde 1947 bis 1949 erneut für die Langwelle 224 kHz aktiviert, da der Sender in Raszyn zerstört war.

In Raszyn, ca. 20 km südwestlich Warschau gelegen, wurde am 24. Mai 1931 in Betrieb genommen. Er war damals mit 120 kW der stärkste Sender in Europa überhaupt. Als Antenne diente ein 280 m hoher abgespannter Mast. Gesendet wurde auf 224 kHz. Bei der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht 1939 wurde die Anlage zerstört. 1945 nahm an diesem Standort ein provisorischer Mittelwellensender den Betrieb auf. Doch erst am 22. Juli 1949 ging in Raszyn wieder ein 200-kW-Langwellensender auf 224 kHz in Betrieb. Der neu errichtete Sendemast mit 335 m war damals der höchste in Europa. 1950 wechselte man infolge des Kopenhagener Wellenplanes auf 227 kHz. 1958 erfolgte eine Leistungsverstärkung auf 500 kW. Zwischen 1974 und 1976 diente der Langwellensender als Reserve für Konstantynów. Von 1976 bis 1991 wurde tagsüber zunächst das 2., später das 4. Programm, zwischendurch aber auch das 1. und 3 .Programm auf 198 kHz (vor dem 01.02.1988  200 kHz) ausgestrahlt. Nach dem Einsturz des Mastes in Konstantynów kam Raszyn wieder auf 225 kHz zum Einsatz. Von 1999 an wurde die Anlage tagsüber auf 198 kHz mit 200 kW hauptsächlich zur Ausstrahlung von Sitzungen und Berichten aus dem polnischen Parlament benützt, ehe am 30. Juli 2009 aus Kostengründen der Betrieb eingestellt werden musste.


Danmarks Radio, Kalundborg 243 kHz
1927 wurde in einer Bucht am Westzipfel der dänischen Insel Seeland ein Rundfunksender errichtet. Der Standort wurde gewählt, weil er annährend im geografischen Zentrum von Dänemark liegt. Die Wasserflächen Richtung Westen begünstigen außerdem die Ausbreitung der Radiowellen. Als Standortbezeichnung wurde zunächst die lokale Ortsbezeichnung Gisseløre verwendet, ehe man den bekannteren Namen der nahen Stadt Kalundborg wählte.

Die Antenne wurde gleich wie am Standort in Motala/Schweden in Form eines gefalteten Monopols ausgeführt. Dabei wird wird ähnlich einer damals häufig verwendeten T-Antenne die Sendeenergie einer vom Sendergebäude senkrecht nach oben führenden Leitung zugeführt. Durch die große Wellenlänge ist jedoch zur Erzielung einer Resonanz eine so genannte Dachkapazität notwendig, die bei einer T-Antenne von 2 rechtwinkelig zur Seite führenden Drähten gebildet wird. In Kalundborg gab es nur einen Dachkapazitätsschenkel, der aus 4 parallel verlaufenden, je 160 m langen Drähten bestand und am anderen Ende in einen senkrecht nach unten führenden Draht mündete. Dieser zweite senkrechte Draht wirkte ebenfalls als Strahler und erhöhte den Wirkungsgrad der Antenne insgesamt. Die Antenne war an 2 je 105 m hohen, 220 m voneinander entfernt und frei stehenden Stahlgittermasten aufgehängt. Eine Schema dieser Antenne ist weiter oben unter Motala dargestellt.

Der Sender selbst kam von Western Electric und brachte eine Leistung von 7,5 kW. Gesendet wurde zunächst auf 260 kHz. Die dann vorübergehend genutzte Frequenz von 178 kHz musste aufgegeben werden, da ab 1928 der Deutschlandsender aus Zeesen bei Berlin auf 182,5 kHz sendete. Am 15.01.1934 wurde ein 60 kW-Sender von Standard Electric in Betrieb gesetzt und die Frequenz auf 238 kHz, am 02.04.1936 schließlich auf 240,5 kHz geändert. Am 15.03.1950 kam es erneut zu einer geringfügigen Frequenzänderung nach 245 kHz.

1953 erfolgte der Umbau der Langwellenantenne. Die beiden Maste wurde auf 118 m erhöht und erhielten je eine Traverse von 20 m Breite zur Aufnahme von 8 Leitungen als Dachkapazität. Die Maste der sogenannten Alexanderson-Antenne bilden die strahlenden Elemente, angepasst durch Verlängerungsspulen in den Mastspitzen. Aktiv angespeist wird jedoch nur der nahe am Sendergebäude stehende Mast. Ursprünglich erfolgte die Abstimmung so, dass eine leichte Richtwirkung nach Nordwesten erzielt werden konnte, um die Färöer und Grönland besser erreichen zu können. Vor einigen Jahren erfolgte aber die Umstimmung der Induktivität in den Mastspitzen zugunsten einer Rundstrahlcharakteristik.


Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Søren Wedel Nielsen

Am 21.06.1954 wurde ein Sender von Marconi mit 150 kW Leistung installiert. Die letzte Frequenzänderung erfolgte entsprechend dem Genfer Wellenplan am 01.02.1990 auf 243 kHz.

Am Standort Kalundborg wurde am 01.10.1951 auch ein Mittelwellenssender mit 60 kW auf 1061 (ab 1978  1062) kHz in Betrieb genommen. Dafür wird ein 147 m hoher abgespannter Stahlgittermast als Antenne verwendet, der 900 m vom Stationsgebäude entfernt am Ende einer Landzunge elektrisch gesehen mitten im Meer steht, was optimale Ausbreitungsbedingungen gewährleistet.

Neue Sender von AEG-Telefunken (3 x 300 kW, davon 1 Reserve für LW & MW) wurden am 15.11.1982 (300 kW auf 243 kHz) und am 21.03.1982 (250 kW auf 1062 kHz) in Betrieb genommen. Zuvor wurde auch die Langwellen-Antennenanlage renoviert bzw. ausgebaut.

Am 03.01.2007 wurde entschieden, den Langwellensender auf 243 kHz endgültig still zu legen. Die Abschaltung erfolgte am 15.02.2007 um 00:15 Uhr. Die Mittelwelle 1062 kHz blieb weiter in Betrieb, allerdings auf 4 kurze Sendungen pro Tag (Nachrichten und Seewetterbereichte). Am 27. Juni 2011 wechselten die Sendungen jedoch wieder auf die Langwelle 243 kHz, allerdings mit einer Leistung von nur 50 kW, wofür nicht nur ein neuer Halbleitersender beschafft wurde, sondern auch die Antennenanlage renoviert wurde, wobei von den 8 Dachkapazitätsleitungen nur mehr 2 verblieben.


schon Geschichte: YLE Lahti, Finnland 252 kHz

Im Frühjahr 1927 wurden von der deutschen Firma Lehmann & Co. 2 je 150 m hohe frei stehende Stahlgittermasten im Abstand von 316 m errichtet, zwischen denen eine T-Antenne aufgehängt wurde. Diese beiden Masten prägen bis heute das Stadtbild von Lahti. Am 22. April 1928 ging der erste 40 kW starke Langwellensender (von Telefunken) auf 167 kHz in Betrieb, wurde aber vorerst aus Kostengründen nur mit 25 kW betrieben. Zuvor gab es in Finnland nur einen 1,5 kW starken Mittelwellensender in Helsinki. 1929 wurde dann die Leistung auf 40 kW erhöht. Im seit 1934 gültigen Luzerner Wellenplanes wurde Lahti 262 kHz zugewiesen geändert. Da dies offenbar größere Umbauten notwendig gemacht hätte, blieb man auf der geringfügig geänderten Frequenz 166 kHz.

Von 1926 bis 1993 betrieb auch Finnland einen Langwellensender in Lahti etwa 100 km nordöstlich der Hauptstadt Helsinki.

Schon 1924 begannen an mehreren Orten in Finnland Radioamateure mit Sendungen. 1926 wurde in Lahti die Finnische Rundfunkgesellschaft gegründet (Oy Suomen Yleisradio Ab). Die Wahl fiel auf Lahti, weil von hier der gesamte südliche Teil Finnlands, in dem etwa 90% der Bevölkerung des Landes lebt, mit einem Sender versorgt werden konnte. Zudem war in der Stadt die notwendige Infrastruktur vorhanden und es war nicht allzu weit von der Hauptstadt Helsinki entfernt.

1935 ging eine neue Anlage mit einem von Marconi gebauten 150 kW-Sender in Betrieb. Sie sendete zunächst weiter auf 166 kHz, nach Ende des 2. Weltkrieges auf 160 kHz, und ab 1950 infolge des Kopenhagener Wellenplanes auf 254 kHz. Von 1938 bis 1949 waren in Lahti auch Kurzwellensender in Betrieb (insgesamt 4 Sender mit je 1 kW Leistung). Später wurde aber der Standort Pori an der Westküste zum Kurzwellen-Sendezentrum ausgebaut.

1953 gingen schließlich zwei je 100 kW starke Langwellensender in Betrieb, die zusammen geschaltet 200 kW Sendeleistung erbrachten und bis zur Einstellung des Senders am 31. März 1993 in Betrieb waren. Die Frequenz war 252 kHz (bis zum 1. Februar 1990  254 kHz).

Neben Lahti waren in Finnland nach dem 2. Weltkrieg weitere Langwellensender geringerer Leistung z.B. in Kuopio (253 kHz) und Joensuu (1 kW, 271 kHz) in Betrieb. Die Station Oulu sendete von den 30er-Jahren an bis Ende der 1970er-Jahre auf der ungewöhnlichen Frequenz 433 kHz mit zuletzt 15 kW.

Im ehemaligen Sendergebäude ist heute das "Lahti Radio & TV Museum" untergebracht: http://www.lahdenmuseot.fi/museot/en/radio-and-tv-museum/ Auch die beiden Masten der Langwellenantenne sind heute noch erhalten.

 letzte Änderung: 28.12.2016

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